Interview mit Dr. Kai Heib vom 27. April 2024, welcher sich den Fragen von Pascal Hotz stellt. Das ausführliche Interview kann hier/Audio abgehört werden.
Wir sind hier im Widenbad und vis-a-vis von mir steht Kai Heib, Trainer unserer Juniorinnen D-Mannschaft und neuer Lager-Leiter des traditionellen Frühlingscamp. Vielen Dank Kai, dass Du Dir kurz Zeit genommen hast für dieses spontane Interview. Meine erste Frage: wer bist Du?
“Hab Dank für die Idee, Pascal, ich bin seit 24 Jahren in der Schweiz, seit 8 ½ Jahren in Männedorf wohnhaft, habe zwei Töchter, Nike (12) und Pauline (8), beide im FCM aktiv und bin froh, dass ich seit 2 ½ Jahren den Trainerstaff unterstützen darf und bin mega happy mit meiner Mannschaft.”
Du bist seit etwas mehr als 2 ½ Jahren als sehr engagierter Trainer und Sponsor beim FCM unterwegs. Du hast auch schon diverse J+S-Kurse besucht und im Sommer strebst Du das UEFA C-Diplom an. Was waren Deine bisherigen Stationen und was motiviert Dich am Fussball?
“Die Grundmotivation ist früh gelegt worden, weil ich zwischen 14 und 19 Leistungssport im Handball in Deutschland betrieben und auch um die Deutsche Meisterschaft gespielt habe, jedoch leider nie über das Halbfinale hinausgekommen. Sport und die Trainerbegleitung meines Vaters über viele Jahre hat mich früh geprägt und als Nike mit dem Fussball begonnen hat, wurde für den E-Pool ein weiterer Trainer gesucht und dann ging es schneller als gedacht. Es ist die beste Zeit, welche ich mit den eigenen, aber auch gemeinsam mit den anderen Kindern der Mannschaft verbringen kann und ich empfinde diese Möglichkeit und Erlebnisse als Geschenk für mich.”
Zu Beginn dieser Woche fand das Frühlings-Trainingscamp der Fussballschulen 15/16/17 statt. Frau Holle musste ausgerechnet zu Ferienbeginn ihre Schneedecke nochmals ausschütten, nachdem der «Böögg» am Sechseläuten den Winter noch nicht wegverbrannt hat. Wie hast Du den Start in dieses Camp erlebt?
“Als ich am Montagfrüh um 6 Uhr die Storen hochgefahren habe und sah, dass Schnee auf dem Platz liegen würde, habe ich den Platzwart Philipp angerufen, welcher umgehend auf Platz war und die Schneefräse und 15 Schaufeln mitgenommen hat. Ich möchte hier Philipp einen riesengrossen Kranz widmen und mich für seine ganzwöchige Hilfeleistungen bedanken. Ihm müssen wir unbedingt Sorge tragen, er ist der netteste, konstruktivste und professionellste Platzwart, den ich bisher kennen lernen durfte!”
In der zweiten Wochenhälfte waren die E & F-Junior*innen mit ihrer Trainingswoche dran. Sie hatten wesentlich mehr Wetterglück. Wie lautet Dein Resümee, nachdem Du erstmals die Campleitung vom (sehr) langjährigen Leiter Röbi Rathkolb übernommen hast?
“Heute ist noch der letzte Tag. Unser Ziel haben wir erreicht, es hat sich niemand verletzt, alle haben Spass, es ist eine tolle Gemeinschaft und wir sind den ganzen Tag motiviert am Fussball spielen. Röbi (Rathkolb) und Sandra (Färber) haben über Jahre das Camp so eingespurt, dass es sehr dankbar war, diese Aufgabe zu übernehmen. Auch grossen Dank den Eltern, welche am Montag spontan geholfen haben, den Platz vom Schnee zu räumen, das ist für mich Vereinsleben pur!”
Du spielst ja mit Deinen D-Girls in der «1. Stärkeklasse». Wie sehen Deine Saisonziele aus und wie seid ihr gestartet?
“Letztes Jahr sind wir in der 1. Stärkeklasse gestartet, mittlerweile ist unser Kader auf 23 Spielerinnen angewachsen. In der ersten (Herbst-)Saison war das gegenseitige Kennenlernen, Teambuilding und die spielerische Abstimmung miteinander im Vordergrund. Mittlerweile sind sie spürbar zusammengewachsen, es ist ein sehr gutes Miteinander und es gibt keine wesentlichen Abgrenzungen mehr. Jetzt wo das Team steht, können wir mehr ans Inhaltliche gehen, aber das Wichtigste ist, dass alle 23 Spass haben, motiviert sind und kollegial miteinander umgehen. Dies ist für uns ein Segen, gerade auch wenn ich höre, was bei anderen Juniorinnentrainern, vor allem Richtung Stadt, so abläuft. Zur Meisterschaft: letztes Jahr haben wir fast keine Tore geschossen und waren viel zu zurückhaltend und passiv/reaktiv. Von den ersten drei Spielen haben wir nun bisher zwei gewonnen, eines gegen eine Spitzenmannschaft verloren. Bei den Vorbereitungsspielen haben wir drei gewonnen und eins verloren. Das schwere Cup-Viertelfinal haben wir gegen den vermutlich späteren Cupsieger Schlieren zu Recht verloren. Das Schöne ist jedoch, dass wir dieses Jahr Tore schiessen, in acht Spielen konkret 33. Es ist schön und verdient, dass sich die Girls für ihre tollen Leistungen nun belohnen können.»
Kannst Du uns ein paar Sachen aus Deinem Privatleben verraten und was sind neben Fussball Deine weiteren Hobbies?
“Beruflich bin ich seit 2011 selbständig, habe zwei Firmen im Bereich Gesundheitswesen gegründet, zum einen medCare, welche Erlösoptimierungen in Spitälern betreibt und zum anderen die INTLAB, welche sich auf Pharmakogenetik (personalisierte Medizin) spezialisiert hat. Ich kann salopp gesagt nichts Anderes, wurde direkt nach der Schule über mehrere Etappen auf diese Branche ausgebildet und habe seit jeher auch nur im Gesundheitswesen und Spitälern gearbeitet.”
Und wie sieht es mit Hobbies aus?
“Nebst Familie und Hund ist meine Trainertätigkeit sicher mein wesentliches Hobby, welches mir auch sehr gut tut. “a” bin ich körperlich wie inhaltlich inspirierend aktiv, «b» können wir der Mannschaft im Trainerteam viel geben und “c” bekommen wir persönlich so viele tolle erfüllende Erfahrungen zurück, welche unbezahlbar sind.”
Danke für den kleinen privaten Einblick. Die Fussball-EM steht vor der Tür. Als deutscher Staatsbürger drückst Du selbstverständlich unserem nördlichen Nachbar die Daumen. Wer ist aber Dein tatsächlicher/insgeheimer Turnierfavorit?
“Ich halte die Franzosen für sehr stark, auch wenn sie kürzlich in einem Freundschaftsspiel gegen Deutschland verloren haben. Rein von den individuellen Fähigkeiten, den internationalen Erfahrungen und dem kollektiven Potential her sind sie aus meiner Sicht zu favorisieren. Frage ist wie auch schon früher nur, kriegen sie es mit der Gemeinschaft und dem Fokus auf das Wesentliche hin, das wird das Zünglein an der Waage”
Randbemerkung: leider habe ich vergessen nachzufragen, wie Kai das Abschneiden der Schweizer einschätzt…
Lieber Kai, ich bedanke mich im Namen des FC Männedorfs für Dein unermüdliches Engagement an vielen Fronten, auch für dieses sehr spannende Interview und wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute, bleibt vor allem Gesund!
«Danke Dir Pascal, erlaube mir jedoch noch folgendes Schlusswort: ich möchte einen ganz expliziten Dank an Marla, Gian, Mervedy, Livia, Amelie und Nike aussprechen, sechs Junior*innen welche zwischen drei und sechs Tage ehrenamtlich als Helfer*innen im Einsatz beim Frühlingscamp waren. Der Einsatz gibt ihnen persönlich prägende Erfahrungen aber auch den kleinen Kids ein unglaublich gutes Vorbild. Dabei kann ich nur jeden (Trainer*in) dazu animieren, die Möglichkeit des 1418Coach aufzuzeigen und versucht möglichst früh die Jugendlichen mit in die Co-Trainer und sonstige Funktionen zu integrieren. Gerade im Juniorinnen-Fussball gibt es für mein Dafürhalten noch zu wenig weibliche Trainer und es wäre toll, wenn wir auch in diesem Bereich unseren eigenen Vereinsnachwuchs fördern. Nochmals vielen Dank an Alle, welche beim Camp dabei waren!”
Pascal Hotz (Sekretariat FCM)







