Interview mit neuem Sportchef der Aktivmannschaften, Yilmaz Bal vom Donnerstag, 3. September 2026, welcher sich den Fragen von Pascal Hotz stellt. Das ausführliche Interview kann hier/Audio abgehört werden.
Lieber Yilmaz, wir sind hier auf dem Sportplatz Widenbad, sitzen in einer dieser provisorischen Garderobencontainer. Du bist kürzlich zum FC Männedorf gestossen, in welcher Funktion etc., darauf kommen wir später zu sprechen. Kaum jemand kennt Dich (bisher), darum meine Einstiegsfrage an Dich: wer bist Du?
“Mein Name ist Yilmaz Bal, bin 46 Jahre alt, wohne mit meiner Familie in Uetikon am See. Wir sind seit mittlerweile sechs Jahren in der Schweiz. Habe einen zufällig guten Kontakt zu Michael Signer gefunden, bin fussballbegeistert mit fussballerischer Vergangenheit. Nun sitze ich hier und bin Sportchef beim FC Männedorf.”
Dein Name verrät, dass Du türkische Wurzeln hast, stimmt diese Vermutung?
“Grundsätzlich ist das richtig, bin aber in Deutschland geboren, Frankfurter und waschechter Hesse.” Habe türkische Wurzeln, bin aber mehr eingedeutscht»
Wie ist der Kontakt zum FC Männedorf entstanden und was waren Deine Beweggründe, die Funktion als Sportchef der Aktivmannschaften zu übernehmen?
«Seit 2021 sind wir in der Schweiz, vorher wohnhaft in Binz bei Maur, seit April nun in Uetikon a/S. Ich habe einen 4-jährigen Sohn und geschaut, wo mein Sohn Fussballspielen kann. In der Umgebung ist mir sofort der FC Männedorf aufgefallen und habe Kontakt mit dem Sportvorstand Michael Signer aufgenommen. Wir haben uns kennen gelernt, sind ins Gespräch gekommen. So hat Michi erfahren, welche Vergangenheit ich habe (u.a. als Sportdirektor in Deutschland). So ist das eine zum anderen gekommen, der FCM hat einen Sportchef gesucht und so bin ich nun hier. Initial war aber die Idee, meinen Sohn zum Fussball zu bringen.»
Was hast Du für einen ersten Eindruck gewonnen und was waren Deine ersten Amtshandlungen und was ist Dir in Deiner neuen Aufgabe besonders wichtig?
«Was mich sehr positiv überrascht hat, ist das Gesamtkonzept des FCM und welche Stellung der FCM in der Gemeinde hat. Infrastruktur ist ein Thema, die organisatorische Struktur wird angepasst, dazu gehört auch das neue Sportkonzept. Alles zusammen ergibt für mich ein nachhaltiges Konstrukt, was die Entwicklung des Vereins resp. der Mannschaften betrifft. Aber nicht nur der Fussball, sondern auch die Förderung der Kinder und Jugendliche. Da möchte ich mich gerne beteiligen und dabei sein.»
Da ist sicher noch nicht alles aufgegleist und mit Deiner Expertise kann der FCM sicher davon profitieren. Wie möchtest Du Einfluss auf unsere Aktivmannschaften nehmen und gibt’s bereits schon konkrete sportliche Ziele?
«Mein Augenmerk gilt nicht nur den Aktivmannschaften, sondern auch auf die Jugend. Ganz wichtiger Punkt, da lebt der Verein auch davon, die Jugendspieler nachhaltig in die Mannschaft zu integrieren. Selbstverständlich bin ich im Austausch mit den einzelnen Trainern. Für mich ist die Gesamtentwicklung wichtig und nicht das Ergebnis der einzelnen Spiele. Ich bin noch in der Kennenlernphase, muss Spieler, Trainer und Spielphilosophie besser kennen lernen. Wir sind mit der 2. Mannschaft gut gestartet, bin auch ziemlich sicher, dass die 1. Mannschaft auch nachzieht, da sehe ich grosses Potenzial. Was ich mit den Trainern bespreche, bleibt auch unter uns 😉.»
Sorry wenn ich Nachfrage, sind aber auf Deiner Seite konkrete Ideen, wie man spielen sollte resp. andere Spielformen oder überlässt Du dies den Trainern?
«Selbstverständlich bringe ich mich da ein und wenn mir was auffällt, sprich ich das an. Ich bin im engen Austausch mit den Trainern. Es gibt schon ein gutes gemeinsames Verständnis. Es hängt auch davon ab, was für Spielermaterial uns zur Verfügung steht, gibt Verletzte, kartengesperrte Spieler etc. Ich bin frohen Mutes, dass wir alle in die gleiche Richtung denken und dass sich das Ganze entwickelt.»
Tönt sehr positiv. Du hast früher selbst aktiv Fussball gespielt. Kannst Du uns Deine fussballerische Karriere beschreiben und hast Du vor, einer unserer Mannschaften zu verstärken (ich denke da u.a. an unsere Senioren-Mannschaften)?
“Ich bin wie gesagt in Frankfurt aufgewachsen und meine Ausbildung bei der Eintracht Frankfurt genossen. Durfte 2001 meine ersten Spuren als Jugendspieler bei den Profis hinterlassen. Übrigens war damals Martin Andermatt der Trainer (heute bei Yverdon Sport in der Challenge League). Bin dann zum FC Saarbrücken gewechselt in der 2. Bundesliga gespielt. Weitere Clubs waren Paderborn und Darmstadt 98. Leider habe ich mich viel zu früh, mit 28 Jahren, schwerer verletzt und musste aufhören. Bin später ins Sportmanagement eingestiegen und selber als Trainer agiert. Nachdem der Arzt gemeint hat, die Reha länger dauern könnte, habe ich ins Berufsleben gewechselt.»
Zum zweiten Teil der Frage, könntest Du Dir vorstellen, aktiv Fussball zu spielen oder bist Du Sportinvalide?
«Nein, bin nicht invalide, ich könnte tatsächlich spielen. Da ich weiss, dass der FCM auch noch eine Ü40 hat, wäre das eine Möglichkeit. Ich wurde schon darauf angesprochen und würde es gerne mal ausprobieren. Aktuell weiss ich auch nicht, wo ich stehe, bin aber noch etwas defensiv, was dies betrifft.»
Ein Tip von mir. Gehe mal ins Probetraining, das sind coole Jungs, haben einen lässigen Trainer, welcher auch im Vorstand ist. Sie wären sehr froh, käme ein guter Spieler, welcher auch einen Ball stoppen kann und einen geraden Pass schlagen kann😊.
Andere Frage: die Saison ist frisch gestartet und die 2. Mannschaft ist Tabellenführerin. Rein theoretisch, gibt es Probleme, wenn unser M2 lange vorne bleibt und weiter vorne mitspielen kann. Gibt es (vorausschauend) Überlegungen, Spieler vom M1 in die 2. Mannschaft abzubeordern?
«Die 1. Mannschaft ist klar unser Aushängeschild und wir wollen, dass sie erfolgreich ist. Wir unterstützen aber jede Mannschaft im Verein und wollen, dass sie sich weiterentwickeln. Jetzt sind erst zwei Spiele gespielt, den Cup lassen wir aussen vor. Die 2. Mannschaft hat eine sehr gute kämpferische Leistung gezeigt und sogar das erste Spiel gegen Kosova hinten raus noch gedreht. Man kann aber final noch nicht viel sagen, wie es sich entwickelt. Hier müssen wir sicher die ersten zehn Spiele abwarten. Die 1. Mannschaft hat im ersten Spiel die 1. HZ verschlafen, in der 2. HZ aber eine gute Reaktion und Mentalität gezeigt. In Herrliberg haben wir einen Punkt geholt und dies stimmt uns wieder positiv.»
Hast Du eine Lieblingsmannschaft und welches Team verfolgst Du in der Super League?
«Die Eintracht Frankfurt ist meine absolute Lieblings-Mannschaft, da bin ich gross geworden und viel Erlebt. Zudem ist mein Bruder Chef der Rechtsabteilung bei der Eintracht. Was die Schweiz anbetrifft, habe ich aus Frankfurter Zeiten eine gewisse Verbindung zu den Grasshoppers. Ich konzentriere mich aber auf den FC Männedorf.»
Letzte Frage: möchtest Du unseren Leser:innen noch eine wichtige Botschaft Deinerseits mitgeben?
«Unbedingt, was ich schon in den ersten Wochen spüre, ist die enorme Leidenschaft und intrinsischer Motivation über alle Levels hinweg. Sie unterstützen den Verein, wo sie können, und das macht Spass. Wenn man sieht, was der Verein auf die Beine stellt und wie nachhaltig der Verein denkt und strategisch unterwegs ist, bin ich ziemlich optimistisch, dass dies was tolles für die Gemeinde und die ganze Region wird.»
Ich bedanke mich für das Interview, wünsche Dir in Deiner Funktion viel Erfolg und Freude. Bleibt gesund und Deinem Sohn jetzt schon viel Spass beim Einstieg im nächsten Jahr!
«Vielen Dank auch.»

Interview geführt durch Pascal Hotz (Sekretariat FC Männedorf)






